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 Schamanismus in der Naturheilkunde und Psychotherapie - Grenzen und Anwendungsmöglichkeiten


Im Westen der USA tanzt ein Indianer zu Trommelmusik um ein großes Feuer…
In Afrika besingt eine dicke Witchdoctor eine kranke Frau…
In Sibirien klettert ein nackter Mann im  eisigen Winter auf einen kahlen Baum und meditiert dort…
In Australien läuft ein Mann ohne Wasser durch die Wüste…
Das sind so die Bilder, die in uns aufkommen, wenn wir an Schamanen denken.
Wunderheiler, Zauberer, Mystiker und Visionäre.

Losgelöst von jeder Romantik stellt der Schamanismus das wohl älteste spirituelle System der Menschheit dar.  Im Gegensatz zu Religionen beruft sich der Schamanismus aber nicht auf Visionen eines Propheten, sondern setzt viel mehr auf das eigene Vertrauen, das Erfahren von eigenen Visionen.

Und genau hier liegen auch die Stärken dieses Systems: Der schamanistisch Arbeitende erhält Zugang zu seiner eigenen Heilkraft, er bekommt  kreative Impulse in Lebenskrisen , stärkt seine eigene innere Führung und Souveränität und befreit sich von Dogmen.
Der Anthropologe Michael Harner hat schamanische Kulturen auf der ganzen Welt untersucht, die einzelnen Techniken miteinander verglichen und auf diese Weise den "Kern"  eines überkulturellen Schamanismus extrahiert: Den Core-Schamanismus.

Dr. Carlo Zumstein sagt dazu in seinem Film "Eine Reise hinter die Wolken":
"Das Leiden an sich bleibt uns immer ein wenig verborgen, so wie auch der Ursprung des Lebens uns verborgen bleibt. Zur Linderung eines Leidens und zur Genesung gibt es verschiedene Wege. Der medizinische Weg kann schnell Leiden begrenzen und Leben retten. Beim psychotherapeutischen Zugang geht es mehr darum, das Wohl und die Übereinstimmung des einzelnen mit sich selber wieder herzustellen. Der spirituelle Weg, zu welchem der Schamanismus gehört, ist ein weiterer Zugang zum Leiden. Hier geht es darum, den Menschen in Einklang zu bringen mit seinem Inneren und seinem Äusseren, mit sich und seinem Leben. Schamanische Arbeit führt einen Menschen zu seinen eigenen Wurzeln. Ihre eigenen Wurzeln wiederzuentdecken empfinden viele Menschen als grosse Hilfe, da sie dadurch ihre Disharmonien erkennen und praktische Veränderungen in ihrem Leben vornehmen können."

Schamanische Hilfe ist also ein Weg zur inneren Balance. Das Wohlbefinden wird gefördert, Energie fliesst, Dinge klären sich - und ganz wichtig: Die eigenen Wurzeln werden wieder erkannt. Diese Dínge sind Voraussetzungen, um praktische Veränderungen im Leben vorzunehmen und dabei einen ganz individuellen Weg selbstständig zu beschreiten.
Gerade deshalb ist der schamanistische Weg eine hervorragende Ergänzung sowohl für Heilpraktiker als auch für Psychotherapeuten, doch auch Menschen, die nur beratend und nicht heilkundlich tätig sein wollen, wie etwa psychologische Berater werden hier eine sehr effektive Methode finden.

In meiner Beratungspraxis verwende ich Methoden, die sich in erster Linie an den Core-Schamanismus anlehen - ich praktiziere also keine Zeremonien von Naturvölkern oder übernehme deren Riten. Natürlich lasse ich mich aber dennoch von dem inspirieren, was ich bei vielen meiner Lehrer lernen konnte. Ich versuche jedoch immer, dies in einen mitteleuropäischen Kontext zu bringen, der unseren eigenen Wurzeln entspricht.

Im Prinzip gibt es im Schamanismus drei Möglichkeiten, einem Menschen, einem Tier oder auch einem Ort zu helfen:
Die erste Methode ist  "Die Suche nach dem Krafttier".
Die Vorstellung eines Krafttieres ist auch in unserem Kulturkreis nicht unbekannt - wir nennen es "Schutzengel".
In seinem Buch "Der Weg des Schamanen" erklärt Michael Harner den Zusammenhang:

"Einem Schamanen ist es sehr einleuchtend, dass viele Abendländer ihren Schutzgeist haben, wie sich aus ihrer Energie, ihrer guten Gesundheit und aus anderen äusseren Merkmalen ihrer Kraft zeigt. Vom Standpunkt eines Schamanen ist es tragisch, dass gerade solche kraftvollen Menschen dennoch die Quelle ihrer Kraft nicht kennen und deshalb nicht wissen, wie sie sie voll ausschöpfen können. Eine ebensolche Tragik ist es vom selben Standpunkt aus betrachtet, dass lethargische, kranke und mutlose westliche Jugendliche offensichtlich ihre Schutzgeister verloren haben, die sie während ihrer Kindheit beschützt haben. Schlimmer noch, sie wissen nicht einmal, dass es eine Methode gibt, sie zurückzugewinnen."

Um nun diese Vitalkraft bei einem Ratsuchenden wieder zu aktivieren, gibt es für den Schamanen zwei Möglichkeiten:
Er unternimmt selbst eine schamanische Reise und sucht dieses Krafttier, anschliessend übergibt er es dem Betroffenen oder aber, wenn der Betroffene selbst schamanistisch mitarbeiten will, lasse ich ich ihn selbst diese Reise machen und er findet seinen Schutzgeist eigenständig.
In der Folgezeit vertieft der Klient seinen Kontakt zu diesem Krafttier, er manifestiert sozusagen seine innere Stärke symbolisch in der Aussenwelt, dies kann zum Beispiel durch den Krafttiertanz, aber auch durch intensives Beschäftigen mit dem Tier passieren.

Wie eine solche nichtheilkundliche Behandlung verlaufen kann, schildere weiter unten in einem Fallbeispiel, eine 30jährige Frau, die unter starken Panikattacken leidet.
Es wird weder eine Diagnose gestellt, noch wird versucht, die Thematik psychotherapeutisch aufzuarbeiten - es wird vielmehr versucht, eine innere, spirituelle Harmonie aus den eigenen Ressourcen herzustellen.

Die zweite Methode ist die "Seelenrückholung".
Im schamanischen Kontext ist Krankheit in jeder Form immer der Ausdruck einer spirituellen Krise: Die Seele (oder ein Teil der Seele) wird verloren, und damit findet eine starke Minderung der spirituellen Energie statt, welche wiederum Ursache für Krankheitsanfälligkeit ist.
Während der traditionelle Schamane noch glaubt, daß die Seele von einem Magier oder einem bösen Geist gestohlen werden kann, brauchen wir heute gar nicht mehr nach solchen abenteuerlichen Auslösern zu suchen.
Die Diplompsychologin Sandra Ingerman schrieb dazu in ihrem Buch "Auf der Suche nach der verlorenen Seele":

"Die heutigen Seelenverluste entstammen den Traumata des modernen Lebens. Inzest, körperliche Züchtigung, Vergewaltigung, der Verlust eines geliebten Menschen, Unfälle, Kriegserfahrungen, schwere Krankheiten und chirurgische Eingriffe sind Attacken, die die Seele dazu bringen, dass sie aus dem Körper flieht, um niemals wieder zurückzukehren."

Doch sind es keineswegs nur die großen Traumata, die zu einer solchen "Abspaltung" führen können, ich hatte in meiner Praxis einen jungen Mann, dem in seiner frühen Kindheit ein Eisbällchen auf den Boden gefallen ist, dies empfand er damals als einen solch dramatischen Verlust, daß dies zu einer Seelenabspaltung führte.
Später zeigte sich dies als starke Verlustangst, Eifersucht und einem enormen Sicherheisbedürfnis.
Durch die Konfrontation und anschliessende Integration dieses Anteiles, konnte der Ratsuchende im Anschluß sein Leben und Empfinden erfolgreich harmonisieren.

Die dritte Methode ist die "Extraktion".
Darunter wird das Entfernen schädlicher Energie verstanden. Diese Energie wird nicht als "böse" erlebt - es ist einfach nur Energie, die zur falschen Zeit am falschen Ort ist.  Wir reden hier von Energie - das können aber genausogut alte Denkmuster, übernommene und eingefahrene Handlungsschemata oder derzeit nicht sinnvolle Verhaltensmuster sein. Bei den Betroffenen wirkt diese Energie schädlich, es kostet ihn Vitalkraft, er fühlt sich oft in einem Kreislauf gefangen.
 
In der Praxis treten häufig alle drei Zustände zusammen auf, was sicherlich auch nicht verwunderlich ist.

Einige dieser Techniken und Einsatzmöglichkeiten möchte ich hier etwas näher vorstellen.
Das wohl wichtigste Element beim schamanischen Arbeiten ist der veränderte Bewusstseinszustand.
Er ähnelt einer hypnotischen Trance - dennoch ist der Schamane sowohl in der Traumwelt als auch in der Alltagswelt gleichzeitig wach und bewusst.
Erreicht wird dieser Zustand durch eine bestimmte Trommeltechnik, ein sehr schneller, monotoner Rhythmus.  
In diesem Zustand geht er auf die schamanische Reise. Er unterscheidet hier zwischen "Unterwelt", "Mittelwelt" und "Oberwelt" - und die Psychologen werden sich sicherlich nicht wundern, wenn er in der Unterwelt animalische und vitale Visionen hat, in der Mittelwelt selbstnahe Begegnungen hat und in der Oberwelt Lehrer und geistige Führer findet. Sind dies aber in der Psychologie intrapersonelle "Instanzen" , so sieht der Schamane in ihnen transpersonelle Erscheinungen.

Eine klassische Reise in die Unterwelt wäre also zum Beispiel die Suche nach dem "Krafttier". Dem Krafttier werden bestimmte Eigenschaften nachgesagt, es erfüllt also die Funktion eines psychologischen Archetypus.
In der schamanischen Beratungspraxis lasse ich den Klienten eine solche Reise unternehmen, er begegnet "seinem" Tier und diese Begegnung legt in ihm ganz bestimmte Ressourcen frei. Diese Ressourcen werden nun als Lösungspotenzial zu seiner aktuellen Problematik genutzt. Es gibt hier so gut wie keine Annahmeschwierigkeiten, da die Begegnung ja leibnah empfunden wurde.



Ein Praxisbeispiel in Dialogform:

Ich: Hallo Anja, Du bist hier wegen Deiner Panikattacken. Beim letzten Mal hatten wir vereinbart, dass wir heute eine schamanische Reise machen, eine Reise in die Unterwelt, um dort Dein Krafttier zu finden. Mach es Dir also bequem auf dieser Matte, schließe Deine Augen, und wenn ich zu trommeln anfange, stellst Du Dir vor, wie Du eine Höhle betrittst, stell Dir das mit allen Sinnen vor, spüre den Boden, rieche Luft - nimm alles wahr, was dort so vorhanden ist. In der Höhle gehst Du weiter, bis Du zu einem weiteren Ausgang kommst, der führt Dich in ein anderes Land. Wenn Du Angst bekommst, konzentriere Dich auf die Trommeln und gehe weiter... die Trommeln werden Dich führen. Wie fühlst Du Dich im Moment?

Anja: Ein wenig mulmig ist mir... ich weiß nicht, was mich da so erwartet. Kann da auch nichts passieren? Und was ist wenn ich einschlafe?

Ich: Ja, es ist Deine erste Reise... da ist es ganz normal, dass Dir etwas mulmig ist. Nur ein Narr empfindet vor dem Unbekannten überhaupt keine Angst. Aber es kann nichts passieren. Schlimmstenfalls schläfst Du ein - dann bekommst Du nicht viel von der Reise mit. Dafür bist Du aber anschliessend schön ausgeruht!

Anja: *lacht* na dann... und wie gehts dann weiter?
Ich: Wenn Du aus der Höhle rauskommst, schau Dir die neue Landschaft an, versuche soviele Eindrücke wie möglich zu bekommen. Und dann schau mal nach Spuren, ob es hier noch Lebewesen gibt. Passieren kann Dir nichts - denn Dein Krafttier ist in der Nähe und schützt Dich. Wenn Du dann ein Tier siehst, frage es, ob es Dein Krafttier ist. Es wird in irgendeiner Form reagieren. Wenn ich dann den Trommelrhythmus ändere, kannst Du Dich verabschieden, und Du gehst auf dem selben Weg wieder zurück, also erst in die Höhle und dann den Eingang raus. OK?

Anja: Ja, von mir aus kann's losgehen. Hoffentlich bekomme ich keine Panikattacke...

Ich dunkle etwas ab und beginne einen sehr schnellen Rhythmus zu schlagen, etwa 100 Schläge die Minute.
Während der Reise kommunizieren wir nicht, obwohl das prinzipiell auch möglich wäre.
Nach ca. 20 Minuten ändere ich den Rhythmus und gebe damit das Rückreisesignal, sie hat jetzt noch ein paar Minuten Zeit, zurückzufinden.
Schließlich öffnet sie die Augen und streckt sich, ich mache es wieder heller.

Ich: "Na, wie war die Reise?"

Anja: "Sehr seltsam... am Anfang in der Höhle hatte ich Angst. Ich hatte das Gefühl, dass da im Dunkelt Gestalten lauern, die mich beobachten. Aber dann habe ich mich auf die Trommel konzentriert, wie Du gesagt hattest, und ich ging weiter.. dann kam eine Weile gar nichts... und ich hatte das Gefühl, als kämen die Trommeln auf einmal von allen Seiten, da waren nur noch diese Trommeln. Aber dann wurde es hell, und ich habe eine andere Landschaft gesehen. Rechts war ein Fluss... oder das Meer. Ich bin auf einem schmalen Stück Strand gegangen, und links von mir war ein tropischer Dschungel.
In der Luft waren viele Vögel und am Strand sind ein paar Krabben gekrochen, doch als ich näher kam, sind die alle verschwunden. Da viel mir ein, dass ich  ja mein Krafttier finden will, doch da war nichts. Ich habe dann in den Wald gerufen, ob mein Krafttier hier irgendwo verborgen sei... es soll doch kommen, ich würde es gerne kennen lernen.
Da sah ich im Wald ein paar funkelnde grüne Augen und ein schwarzer Panther sprang heraus und kam fauchend näher. Ich fragte: "Bist Du mein Krafttier?" und dann hörte ich im Kopf eine Stimme die sagte: "Frag nicht so blöd, wäre ich sonst gekommen?"
Auf einmal war ich richtig glücklich... es war nämlich ein wunderschöner Panther...
(sie schwärmte eine Zeitlang)

Ich: Die Quelle Deiner Kraft also - ein wunderschöner, starker und geschmeidiger Panther. Glaubst Du, wenn sich wieder mal eine Deiner Panikattacken anbahnt und Du ihn an Deine Seite rufen kannst, dass Dir dann noch etwas passieren kann?

Anja: Wenn es mir gelingen würde, ihn dann zu rufen, bekäme ich wahrscheinlich gar keine Attacke...  

Das war Anjas erste Reise. Als nächstes musste natürlich dieser Panther "utilisiert" werden, d.h. er wurde zu einem Werkzeug, das jederzeit bei Bedarf abrufbar war.
Anja bekam als Hausaufgabe, sich möglichst viel Wissen über Panther und ihre Lebensweisen anzueignen, vielleicht auch mal einen im Zoo zu besuchen.
Das tat sie akribisch, als sie das nächste Mal kam, hatte sie sogar einen kleinen Plüschpanther dabei. "Immer wenn ich ihn sehe oder anfasse, spüre ich seine Stärke in mir," meinte sie.
"Und wie war es die letzten 14 Tage mit Panikattacken?" fragte ich sie.

"Naja... ein paar mal dachte  ich schon, es käme wieder eine. Doch dann sah ich immer den Panther, und sie kam doch nicht."

In der heutigen Sitzung machte ich mit ihr nochmals eine Reise zu dem Panther, doch jetzt lies ich sie ihn fragen, welche seiner Fähigkeiten für sie im Alltag nützlich sind, so dass die Panikattacken kein Problem mehr darstellen.
Ihre Antwort war deutlich: Die gute Beobachtungsgabe und die Fähigkeit, blitzschnell reagieren zu können wollte sie nutzen.

Wie aus dem Beispiel ersichtlich ist, ist das therapeutische Arbeiten mit der schamanischen Reise sehr ressourcen- und lösungsorientiert, wenig ursachenorientiert und aufdeckend. Es gibt Ähnlichkeiten zum Katathymen Bilderleben, auch zur Hypnose,
die Unterschiede liegen aber in der schamanischen Denkweise, dass es sich bei dem Panther nicht um das innere Bild "Panther" handelt, sondern dass dies der archetypische "Pantherspirit" ist, der eine besondere Affinität zu Anja hat.
Hier greift der spirituelle Aspekt des Schamanismus. Durch diese Vorstellung, nicht allein im Universum zu sein, sondern einen starken Verbündeten zu haben, wird eine innere Balance hergestellt. Eine Aufgabe, die auch durch gelebte Religion erfüllt werden kann.
So ist es auch nicht verwunderlich, dass mir auf meinen Reisen einige Schamanen (besonders aus Südamerika) erzählt haben, dass zu ihren "Krafttieren" Jesus und Maria gehören...  
Die Grenzen dieser Vorgehensweise sind eigentlich auch klar - Es findet ja zunächst eine Dissoziation und anschließend wieder eine Assoziation statt, doch in der Dissoziationsphase würde natürlich bei psychotischen Störungen ein Schub ausgelöst bzw. die Symptomatik  verschlimmert. Auch bei Demenzen und Suchterkrankungen rate ich von der Schamanenreise ab.

doncharon@aol.com
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