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 Affentheater

Es geschah einmal vor langer Zeit... ;-)
Wieder einmal fand im Urwald der große Kokosnuss-Tanz statt, bei dem in jedem Jahr die Affen bis zur Besinnungslosigkeit tanzten, um den Ahnen und Geistern für die reichhaltige Nahrung zu danken und um das Wohlwollen fürs nächste Jahr zu bitten.
Natürlich kamen auch wieder viele Zuschauer, wie jedes Jahr. Giraffen und Gazellen, Löwen und Büffel, Raben und Geier. Und natürlich auch Ewald, der weiße Elefantenbulle.
Die Affen bereiteten das Ritual vor, schmückten sich und sammelten Kokosnüsse, aus denen sie einen wohlschmeckenden und alkoholreichen Trunk zubereiten.
"Ach!" seufzte Ewald zu den anderen Tieren, "könnte ich doch nur einmal bei diesem großartigen, heiligen Tanz mitmachen! Welche tiefe, spirituelle Erfahrungen mir das doch bringen würde!"
Die Giraffe sah ihn von oben herab an und der Löwe grinzte: "Na, dann frag doch einfach mal! Sie haben bestimmt nichts dagegen, wenn Du mitmachst!"
"Meinst Du wirklich?" fragte Ewald hoffnungsvoll und warf den Affen einen sehnsüchrtigen Blick zu.
"Ja, eine großartige Idee!" krähte der Rabe von seinem Zweig. "Komm!", sprach er zu dem Geier, "Lass uns zu den Affen fliegen und ein gutes Wort für den Elefanten einlegen!" 
Der Geier sah sich den Elefanten an, als würde er sich gerade überlegen, wo er denn mkit dem Essen beginnen sollte, falls der Elefant einst verenden würde. Dann zuckte er mit den Schultern, erhob sich vom Ast und flog mit dem Raben zu den Affen.
"Hey, ihr da unten!" rief Rabe der versammelten Affenschar zu, "wir haben eine großartige Idee, wie ihr euer Ritual noch besser machen könnt!"
Die Affen hielten inne und schauten zu den beiden Vögeln, die über ihnen auf einem Ast saßen. Da kam aus ihrer Mitte der Affenschamane, ein alter, erfahrener Weißrücken.
"Dieses Ritual ist uralt, wir machen es seit Affengedenken! Wieso glaubt ihr, es müsse verbessert werden?"
"Tja, die Zeiten ändern sich! Schaut euch um... eure Jungen haben keinen Spaß mehr an den alten Dingen, nur die Alten machen noch mit. Wenn ihr wollt, daß auch die Jungen wieder etwas damit anfangen können, müsst ihr euch an die moderne Zeit anpassen!" erklärte der Rabe.
"Genau!" hieb der Geier in die gleiche Kerbe, "erst muß das Alte sterben, damit etwas Neues entstehen kann!" Mit diesen Worten fuhr er sich genüßlich mit der Zunge über den Schnabel.
"Das ist wohl wahr!" erwiderte der Affenschamane nachdenklich, wenn unsere Jungen nicht mehr mitmachen, wird es schon in der nächsten Generation kein Ritual mehr geben." 
Er schlug mit seinem Stab auf den Boden und einige der Affen erschraken und suchten keckernd das Weite.
"Und was schlagt ihr als Lösung vor?" wandte er sich an die beiden Vögel.
"Ganz einfach!" meinte Rabe, "ihr müsst auch andere Tiere zum Ritual zulassen. Wir wir wissen, würde zum Beispiel Ewald der Elefantenbulle sehr gerne mitmachen. Stellt euch nur vor, ein Elefantenbulle tanzt euren Affentanz - eure Jungen hätten dabei soviel Spaß, sie würden alle wieder kommen!"
"Außerdem würde er euch auch noch etwas dafür bezahlen, Bananen und glitzernde Steine!" machte der Geier den Vorschlag noch schmackhafter.
Der alte Affe überlegte und kam zu dem Schluss: "Na gut, einen Versuch ist es Wert, es kann nichts schaden. Die Jungen haben ihren Spaß und es kommen auch noch Einnahmen rein, die wir gut gebrauchen können. Es sei!"
"Ihr müsstet ihm nur noch eine Einladung schicken," meinte nun der Rabe, "denn Ewald ist sehr scheu! Aber wenn er eine Einladung bekommt, ist er ganz gewiss mit dabei und auch sehr großzügig!"
"Also gut!" sprach der Affenschamane, nahm ein Palmblatt und kritzelte etwas darauf. "Hier ist die Einladung. Übringt sie ihm. Ich informiere inzwischen die anderen Affen über die Neuigkeiten."
Der Rabe und der Geier flogen zurück zu den anderen Tieren und erzählten, wie begeistert die Affen von der Idee waren, auch andere Tiere zum Kokosnuss-Tanz zuzulassen.
"Wirklich? Wirklich?" ganz aufgeregt schob sich Ewald der Elefantenbulle durch die die Masse der Tiere, "meint ihr, ich könnte da auch mitmachen?"
"Natürlich!" sprach der Rabe wohlwollend, während der Geier ihn wieder abschätzend taxierte. "Wir haben sogar eine Einladung speziell für Dich, weil die Affen meinten, Du hättest das Zeug dazu!"
"Du musst Ihnen natürlich Geschenke mitbringen, als Zeichen Deines Respektes und Deiner Hochachtung!" ergänzte der Geier.
Ewald war ganz außer sich vor Freude und begann mit den Vorbereitungen. Er übte schonmal den Tanz, was für die anderen Tiere eine willkommene Unterhaltung war. Jedes der Tiere gab ihm ein paar Ratschläge, wie er seinen Tanz noch verbessern könnte. 
"Du musst Dich graziler bewegen!", meinte die Giraffe, "etwa so!" Sie schraubte gekonnt ihren Hals in die Höhe und pflückte ein grünes, weiches Blatt vom Baum.
"Und Du musst etwas wendiger und schneller sein!", meinte die Gazelle, "Schau her!" Sie rannte los und wich dabei geschickt Bäumen und Sträuchern aus.
"Leg mehr Würde in Deine Bewegungen!" mahnte der Löwe. "Das ist doch nicht so schwer!" Er stolzierte los, kletterte den Baum hinauf und legte sich auf einen dicken Ast.
Ewald versuchte, alle Ratschläge zu befolgen und die Tiere hatten großen Spaß damit.
Schließlich kam der Tag, an dem er zu den Affen ging.
"Willkommen, Bruder!" begrüßte ihn der Affenschamane und überreichte ihm eine Banane zur Begrüßung. Die anderen Affen spielten mit, nannten ihn Bruder und stellten sich dabei vor, wie er den Affentanz macht.
"Ich habe euch Geschenke mitgebracht!", erwiderte Ewald gerührt und verteilte die glitzernden Steine und die Bananen an alle Affen.
Das fanden alle prima und sie begannen zu feiern. 
"Wenn Du mitmachen willst," meinte einer der Affen, "musst Du auch so aussehen wie wir! Hier, nimm!"
Er überreichte ihm zwei Kokosnusshälften. "Mach die über Dein Maul, dann siehst Du so aus wie wir!"
Ein anderer Affe kam mit einem stinkenden Faultierfell. "Und das musst Du Dir überziehen, dann hast Du ein Fell wie wir!"
Ewald, der weiße Elefantenbulle, machte alles, was ihm die Affen sagten, und diese hatten eine Menge Spaß dabei.
Schließlich begann der große Kokosnuss-Tanz. 
Der Schamane eröffnete mit den rituellen Worten die Feier und sah zufrieden, daß in diesem Jahr soviele Teilnehmer wie schon lange nicht mehr dabei waren, vor allem auch viele junge Affen. Der Elefantenbulle fiel schon sehr auf, aber er bemühte sich und störte nicht wirklich.
Beim Tanz tat sich keiner so hervor wie Ewald, denn dieser hatte ganz akribisch jedes Detail studiert und wo die Affen rein intuitiv tanzten, war er Perfektionist.
Alle hatten großen Spaß dabei...
Ewald , der weiße Elefantenbulle, weil er seine spirituelle Erfüllung beim Affentanz fand,
die Affen, weil sie soviel Spaß schon lange Zeit nicht mehr hatten und sie viele Geschenke bekamen
der Schamane, weil so das Ritual auch an die nächste Generation weitergegeben werden konnte
die anderen Tiere, weil sie sich über Ewald amüsierten und darüber nachdachten, vielleicht auch selbst mal mitzutanzen
und auch der Rabe und der Geier, die im Baum direkt über dem Tanz einen Logenplatz hatten.
"Was ist jetzt eigentlich die Moral von der Geschichte?" fragte der Geier seinen Nachbarn.
"Ist doch offensichtlich!", meinte der Rabe. "Es muss sich nur einer so richtig zum Affen machen, und schon haben alle ihren Spaß an der Sache!"
Sie sahen sich an und krähten und keckerten mit den Affen um die Wette.
 
 
 
 
 
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